Anforderungsprofil Klettern
Wenn man darüber sprechen möchte, was man trainieren muss, um besser zu klettern, so muss man vorerst wissen, was das Klettern einem körperlich und geistig abverlangt.
Ein Kletterer…
- …muss gesunden Respekt aber keine Angst vor der Höhe und schwierigen Situationen in der Höhe haben (psychische Komponente)
- …muss Kraft und Ausdauer (physiologische Komponenten), Technikkönnen und Taktikwissen (theoretische und taktische Komponenten) in ausreichender Menge zur Verfügung haben
- …muss ein gutes Maß an Beweglichkeit mitbringen und das immer wieder trainieren
- …muss seine Planung, Entscheidungen und Bewegungen dem Fels anpassen (Umstellungsfähigkeit)
- …muss hinsichtlich der eigenen Fähigkeiten und der des Partners, der Beschaffenheit des Felsens und Wetters, des Materials und weiterer Faktoren die Route abschätzen
- …muss die Bewegungsplanung in richtig koordinierte und aufeinanderfolgende Bewegungen umsetzen (Kopplungsfähigkeit)
- …muss die Bewegungen genau und möglichst ökonomisch gestalten (Differenzierungsfähigkeit)
- …muss die Routen aus dem Fels oder aus dem Führer richtig ablesen können und in der Wand den richtigen Weg finden (Orientierungsfähigkeit)
- …muss zielführende, zeitlich koordinierte Bewegungen realisieren und in einen gewissen Fluss (oder auch Flow) der Bewegung kommen (u.a. Rhythmisierungsfähigkeit)
- …muss sich auf sich verändernde Bedingungen einstellen können (Umstellungsfähigkeit und Reaktionsfähigkeit)
- …muss Schwindel überwinden und das Gleichgewicht auf kleinsten Tritten halten, den Körper nach Möglichkeit im „Lot“ halten können (Gleichgewichtsfähigkeit)
Das ist ein Haufen Theorie, der erst einmal verstanden werden muss.
Summa summarum kann man sagen, dass ein Einsteiger eher an Technik, Taktik und Psyche arbeiten muss, ein Fortgeschrittener ebenso und noch dazu an der Beweglichkeit – aber erst ein Profi wirklich Kraft und Kraftausdauer trainieren muss.
Für jede der Komponenten gibt es verschiedenste Möglichkeiten, diese zu verbessern. Hier ein paar Beispiele:
- Psyche: Sicherungstraining, Sturztraining, Konfrontation, Materialkunde, Sicherungskunde…
- Taktik: Materialkunde, Sicherungskunde, Besprechung von worst case, Sturztraining…
- Umstellungsf.: Onsightklettern, Bouldern mit Partner, Kletterspiele…
- Kopplungsf.: Toprope-Klettern, TR-Speedklettern
- Differenzierungsf.: Bewegungsaufgaben lösen, Bouldern, Klettern mit speziellen Aufgaben (weiche Hand, nur eine Hand, nur Eindrehen, Weitertreten nur im Lot…)
- Orientierungsf.: Blindklettern, Spiele, neue Routen…
- Rhytmisierungsf.: Speedklettern, Klettern mit Rhythmus, Klettern und Singen…
- Umstellungsf.: Spiele wie Fangen, rotierende Wand, Routenwechsel während dem Klettern…
- Gleichgewichtsf.: Alle Spielformen fürs Gleichgewicht, vor allem auch Slacklinen
Das war jetzt ein kleiner Einblick in die sportwissenschaftliche Sicht des Kletterns. Man sollte immer einen kleinen Backround haben, um ein Training strukturiert mit Hirn zu gestalten.
Spezielle Trainings und Übungen werden folgen…


