Ausrüstungstipps für Klettereinsteiger
Ihr habt einen Einsteigerkurs im Klettern gemacht und möchtet euch nun nach einer Erstausstattung zum Klettern umschauen? Ich gebe euch zusammengefasst die wichtigsten Tipps, was und wieviel man als Einsteiger für welchen Zweck braucht.
Klettergurt:
Dieser sollte prinzipiell ein Allroundmodell sein. Wenn ihr nur Kletterhalle oder Sportklettern im Klettergarten anvisiert, könnt ihr über einen günstigen 1 Schnaller nachdenken. Wenn ihr allerdings nicht sicher seid, was ihr machen wollt (alpin Klettern, Sportklettern, Klettersteige, Gletschertouren, Hochtouren …) dann lohnt sich ein 4 Schnaller. Die sind am variabelsten. Passende Gurte wären hier der Petzl Corax oder der Black Diamond Momentum.
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Kletterseil:
Nur Kletterhalle? Dann braucht ihr ein robustes Einfachseil mit mindestens 10mm Durchmesser. Achtet auf die Normsturzzahl (5 ist Minimum, 7 ist für ein 10mm Seil schon top, manche 10,5mm Seile erreichen 10). Je dicker und steifer das Seil, desto schlechter lässt es sich knoten und ist anstrengend im Tube. Jedoch empfiehlt sich ein dickeres/robusteres Seil, wenn ihr mit HMS sichert, da hier die Reibung Seil auf Seil basiert ist und der Strick dadurch ziemlich angegriffen wird. Ein dickeres Seil läuft gut im HMS Knoten oder Achter. Günstige Einsteigerseile sind das Tendon Smart (10mm) oder das Edelrid Cobra (10,3mm mit Normsturzzahl 8!).
Welche Länge ihr benötigt, hängt von der Höhe eurer Kletterhalle ab. Maximale Routenlänge/Hallenhöhe mal 2 plus 10m machen Sinn. Natürlich gilt hier nicht die Regel weniger ist mehr, lieber man hat noch Reservern, als dass das Seil irgendwann mal zu kurz ist… Benötigt ihr ein Seil, das für das Sportklettern draußen und drinnen geeignet ist, sollten es eher 60m oder 70m sein.
Falls ihr im Winter in die Halle und im Sommer hauptsächlich draußen seid und Mehrseillängenrouten gehen wollt, würden sich ein 40-50m Seil für die Halle und ein 70m Seil für draußen rentieren.
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Kletterschuhe:
Günstige Schuhe wären gut, da man sich erfahrungsgemäß sowieso immer die ersten Kletterschuhe falsch kauft (vor allem zu groß). Ihr solltet auf einen gemütlichen Schuh Wert legen, der relativ eng und kompakt am Fuß sitzt. Robustheit für die Halle wäre auch von Vorteil.
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Chalk:
Ein Ball mit Magnesiumcarbonat ist für die Halle unerlässlich, da es sonst wie wahnsinnig stauben würde. Der Ball hält das Pulver beieinander und man bekommt nur relativ wenig an die Finger, was voll und ganz ausreicht!!!! Wer auf lange Sicht sparen möchte, sollte sich einen wiederbefüllbaren Chalkball kaufen und gleich noch losen Chalk dazu. Flüssigchalk macht für diejenigen Sinn, die stark an den Händen schwitzen. Reines Magnesium würde ich noch nicht empfehlen, damit muss jeder seine eigenen Erfahrungen machen. Reines Magnesiumpulver trocknet die Hände zuverlässig, ist aber feiner und weniger rau als Magnesiumcarbonat.
Karabiner und Sicherungsgeräte:
Ein “birnenförmiger” Karabiner ist Muss für die HMS und auch für Tube oder Achter. Beim Tube würde sich einer mit Verdrehsperre empfehlen. Die Verschlussart ist für mich Nebensache, ich benutze nur Schraubkarabiner, ein “Triact” Karabiner (automatischer Verschlusskarabiner, der drei verschiedene Mechanismen zum Schließen hat) ist aber sicherlich ebenso empfehlenswert. Dazu noch je zwei weitere birnenförmige und kleine “D-förmige” Schraubkarabiner für Standplatzbau und Sicherung am Fels. Prinzipiell empfiehlt es sich, in der Halle das Tube oder einen Achter zu verwenden und für den Fels die HMS zu beherrschen. Als Variante zum Tube für diejenigen, die nicht allzu viel Seildurchlauf haben möchten, bietet sich das Mammut Smart an, welches „viertelautomatisch“ das Seil beim Sturzzug blockiert. Grigri oder andere Halbautomaten müssen vorerst nicht sein.
Hier geht’s zum Artikel über Sicherungsgeräte.
Bandmaterial:
Bandschlingen dienen zum Beispiel zur Selbstsicherung an einem Haken in der Wand, zum Umlenken an Felsen/Bäumen oder zum Standplatzbau. Als Selbstsicherungsschlinge habe ich eine 60cm Schlinge, die reicht immer. Eine weitere Schlinge für Köpfelschlingen (über Felszapfen gelegte Schlinge zum Umlenken) müsste mindestens 120cm lang sein. Diese 120cm sind auch ausreichend für den Standplatzbau. Erstausstattung wären also eine oder zwei 60cm und eine 120cm Bandschlinge (Polyamid, nicht das dünne Dyneemamaterial!)
Reepschnüre:
Zum Abseilen empfiehlt der DAV eine Sicherungsreepschnur, die das einlaufende Seil bremst und blockiert, wenn man selbst nicht mehr dazu im Stande ist. Man macht einen Prusikknoten und verbindet die kurze Schlinge mittels Karabiner mit einer der Beinschlaufen. Hierfür benötigt ihr eine knapp 1m lange 5mm dicke Reepschnur. Dünner bremst mehr, dicker weniger ist aber leichter zu handhaben.
Zum Sanduhren fädeln würde sich noch eine 6-8mm Aramidreepschnur eignen, die sehr hohe Festigkeitswerte hat. Das wird weiter nicht ausführlich erklärt, denn es gehört nicht unbedingt zur Grundausstattung.
Expressen:
Viele Hallen haben fixe Zwischensicherungen an ihren Wänden, finde ich schade (Übung), wenn auch verständlich (Bedienungsfehler werden möglichst ausgeschaltet). Wenn man in einer Halle klettert, für die man eigene Expressen benötigt, reichen meist 10 Stück. Für draußen sind aber ein paar mehr nötig. Weil die Routen länger sind, weil man zum Ausbouldern vielleicht zwei gegenläufige Expressen (Redundanz, latein. redundare „im Überfluss vorhanden sein“) einhängt, beim Standplatzbau oder bei der Selbstsicherung. Besser zu viele dabei, als zu wenige. Für draußen würden sich also 12-15 anbieten, mit verschiedenen Längen für den Fels.
Ich würde auf durchschnittlich hohe Bruchfestigkeit und auf Dyneemaexpressschlingen (flexibler weil dünner) achten. Der Hakenkarabiner (der in den Bohrhaken reinkommt) sollte gut beweglich sein und ausreichend Spiel in der Schlinge haben. Die Schlinge sollte nicht zu starr sein. Der Seilkarabiner (da kommt das Seil rein) sollte mit integriertem Gummi befestigt sein.
Drahtkarabiner als Seilkarabiner machen Sinn und als Hakenkarabiner einen mit normalem Schnapper. Der Drahtkarabiner hat gleiche Festigkeitswerte und hat sonst nur Vorteile (Handling und Sicherheit) und ist optisch gut unterscheidbar vom Hakenkarabiner.
Helm:
Besser irgendein Helm, als keiner. So kann ein Radhelm sicher im Sturtzfalle schützen, ist aber erstmal nicht zum Klettern geeignet und zugelassen. Wenn an einer 20m Wand im Wald (z.B. Frankenjura) oder in der Halle absolut keine Steinschlaggefahr herrscht, benötige ich eigentlich auch keinen Helm. Beim Klettern könnte allerdings ein Sturz ungünstig verlaufen, sodass ich mit dem Kopf gegen die Wand pralle. Und dem Sicherer könnte Material oder losgetretenes Gestein des Kletterers auf den Kopf fallen (klingt alles sehr theoretisch, aber ist schon oft vorgekommen). Das muss also jeder selber wissen.
Für reines Sportklettern würde sich ein Kletterhelm aus Styropor eignen. Die Kletterhelme sind leicht, angenehm zu tragen und stören so gut wie nicht.
Für alpines Klettern oder Klettersteiggehen braucht man einen Hartschalenhelm, dem kleinere und größere Steine weniger ausmachen. Diese Helme sind robuster und etwas günstiger, da leichter herzustellen. Ein Styroporhelm kann rund um den Kopf viel Energie aufnehmen, ein Hartschalenhelm ist eher für Steinschlag geeignet, da hier die integrierte Styroporknautschzone nur alles von oben ausreichend abfängt.
Der Wild Country Alpine Shield ist eine interessante Zwischenlösung für alle diejenigen, die im heimischen Klettergarten einen leichten Helm brauchen und im alpinen Gelände einen Steinschlagsicheren Helm wollen. Gut durchdacht!
Ein interessanter Artikel zum Thema Kletterhelm – Grundlagen, Tipps gibt’s bei Bergzeit.








Noch zum Thema Helm:
Nicht nur dem Sicherer kann Material oder loses Gestein auf den Kopf fallen. An einem stark frequentierenten Fels kann das auch dem Kletterer passieren – von anderen Seilschaften…
Martin