Das Klettern im Griff – Die Greiftechniken
Das Greifen gehört natürlich zu den wichtigsten Dingen der Klettertechnik. Doch bevor man herzhaft und ohne nachzudenken zupackt gibt es doch etwas zu überlegen: Beim Klettern gilt es, viel Reibung mit so wenig wie möglich Kraftaufwand so produzieren. Dabei hilft die richtige Fußtechnik, aber auch das richtige Verständnis vom Greifen.
Prinzipiell gilt fürs Greifen Folgendes:
- Greift mal einen Griff und lasst die Kraft, mit der ihr den Griff haltet, sukzessive weniger werden. Irgendwann seid ihr an dem Punkt angekommen, an dem ihr den Halt verliert und kurz davor ist natürlich die optimale (und somit die geringst-nötige) Haltekraft für diesen Griff. Probiert immer mal aus, so locker wie möglich zu greifen, sodass ihr beinahe den Halt verliert. Griffe auszudrücken ist kontraproduktiv beim Klettern, da ihr sehr viel Kraft dabei verliert und euch auch zu sehr auf die Hände konzentriert. Ein dosierter Griff hingegen spart Kraft und ihr könnt länger klettern.
- Denkt daran, nach Möglichkeit alle Finger am Griff/Felsen zu haben, frei hängende Finger können keine Reibung produzieren.
- Gerade in „Oppositionsstellung“ (der Daumen steht den Fingern gegenüber) hat die Hand eine gute Kraft und kann viel Reibung produzieren. Bei Zangen macht sich das deutlich bemerkbar. Aber auch 4-Fingertaschen können wirkungsvoll verstärkt werden, wenn man den Daumen „opponiert“.
Kommen wir zu den Greiftechniken des Kletterns. Wahrscheinlich gibt es noch viele weitere Kombinationen und Varianten der dargestellten Techniken, diese sind aber die grundlegendsten:
Positiver Griff:
Die Finger greifen so weit wie möglich in den Griff und haken sich am ersten, zweiten oder dritten Fingergelenk ein. Hier braucht man nichts zu wissen, aber die Idee vom „ökonomischen und Reibungs optimiertem Griff“ existiert hier freilich ebenso.
Untergriff und Seitgriff:
Diese können aus den verschiedenen Techniken entstehen, den Namen gibt lediglich die Belastungsrichtung. Ein Untergriff ist also ein Griff, der von Unten gefasst wird; ein Seitgriff, der seitlich seinen hauptsächlichen Belastungspunkt hat. Untergriffe eignen sich hervorragend bei Übergängen vom senkrechten zum überhängenden Gelände, aber auch in vielen anderen Situationen. Mit einem Untergriff erzeugt man mehr Reibung am Fuß, weil man sich selbst ja nicht herauf, sondern herunter zieht. Insgesamt benötigt man dadurch mehr Körperspannung, ein Untergriff belastet den gesamten Körper und ist oft mit großer Spannung der Beine, der Oberarme und des Rückens verbunden.
Der Seitgriff eignet sich hervorragend beim Eindrehen (Klettertechnik) oder Traversieren (queren der Kletterstelle). Um sich nicht von der Wand zu ziehen, sollte einmal genug Körperspannung aufgebaut werden und die Füße als Gegengewicht gestellt werden.
Sloper oder Aufleger:

Der Name sagt es schon, man legt die gesamte Hand möglichst formschlüssig auf den Griff. Ein Sloper bietet kaum Kanten und Leisten, sodass man sich nicht mit den Fingern, sondern nur mit der Reibung der gesamten Hand halten kann. Hier ist viel Gefühl in der Hand gefragt, meist sind Sloper auch schon sehr „speckig“, also sehr glatt. Das kommt vom ewigen Geschrubbe und Gebürste mancher extremen Zeitgenossen. Dabei wird der Griff bzw. vor allem der Fels auf lange Sicht von der rauen Oberfläche befreit und zurück bleibt ein aalglatter Griff. Nicht schön, ich halte nichts vom Bürsten am Fels. – (Kleiner Einschub) – Viel Üben ist hier die Devise, bis man den richtigen Formschluss passend zum Griff gefunden hat. Üben könnte man dies z.B. sehr gut im Elbsandstein. Aber eben auch beim Bouldern lassen sich viele Slopergriffe mit einbauen. Je mehr, desto besser, denn schwierige Sloper führen dazu, dass man mit den Füßen besser stehen und mit dem Körper sehr beweglich sein muss, um genug Kraft auf den Reibungsgriff zu bekommen. Gerade für diejenigen, die immer besser werden ist dies eine gute Trainingsmöglichkeit für die Technik.
Zange:
Hier kommt die bereits genannte Opposition des Daumens zu den Fingern zum Tragen. Die Finger ohne den Daumen würden nur seitlichen Druck aufbauen können, die Hohe Adduktionskraft des Daumens bietet dem einen Gegenpol und somit ist der Griff sogar nach unten belastbar. Zangen existieren in weiter oder in sehr enger Form und variieren je nach Tiefe des Griffes deutlich. Große, senkrechte und wurstähnliche Gebilde an den Wänden werden auch als Sinterstrukturen bezeichnet, Sinter sind in der Natur Ablagerungen, ähnlich wie Tropfsteine.
Finger hängend:
Bei kleinen Leisten und Kanten und bei positiven Griffen ist dies die ökonomischste und Finger schonendste Technik, wenn auch sie nicht allzu viel Reibung produziert. Viele Griffe bieten die Möglichkeit, die Finger hängend zu positionieren. Ein- oder Zweifingergliedgriffe eignen sich häufig. Diese Technik sollte mit möglichst senkrecht nach unten hängendem Unterarm ausgeführt werden, damit die Belastungsrichtung möglichst lotrecht unter dem Griff sitzt, sonst rutscht man eben ab :>. “Hängende” Finger sind ebenso häufig bei Seit- und Untergriffen (auch wenn hier nichts hängt, die Position sieht gleich aus)
Finger aufgestellt:
Starke Belastung der ersten Fingergelenke und der Ringbänder am zweiten Fingergelenk zeichnet diese Technik aus. Sie produziert eine Menge Reibung auf wenig Platz und ist somit für kleinste Griffe und Leisten geeignet. Obacht für Einsteiger und Kinder: Wenn Gelenke, Sehnen und Bänder noch nicht derart an das Klettern gewöhnt und zusätzlich nicht aufgewärmt sind, sind Ringband- oder Epiphysenausrisse keine Seltenheit. Gerade für Einsteiger und Kinder bieten sich eher große Griffe und Sloper, dafür aber schwierigere Züge oder Überhänge an. Das ist besser, als unnötig hart am Zerreislimit der Finger zu trainieren und fördert dabei viel mehr die richtige Klettertechnik.
Finger spitz aufgestellt:
Eine anatomisch günstigere Variante ist es, die Finger ganz aufzustellen, dadurch wird das erste Fingergelenk nicht so sehr überstreckt und das zweite nicht so stark gebeugt. Die Belastung verteilt sich besser, aufkosten der Reibung. Außerdem gibt es sehr wenige Griffe, die diese Technik schmerzlos zulassen. So ein Griff ist wirklich eher Ausnahme, deshalb braucht man das nicht zu üben. Lustigerweise habe ich genau einen, der solch eine Fingerstellung geradezu erzwingt – ein winzig hinterschnittener Griff. Diese Technik an Griffen zu verwenden, die besser anders gegriffen werden, ist nicht sinnvoll. An den Fingerspitzen ist man recht empfindlich und recht guten Halt hat man so nicht.
Fingerlöcher:

Sind eigentlich nichts anderes als positive Griffe. Versucht einfach, bei sehr schweren Fingerlöchern im ersten Fingerglied, Zangen draus zu machen, sprich den Daumen irgendwie günstig zu platzieren. Der Griff wird dadurch deutlich sicherer. Fingerlöcher gibt es sehr viele im Kalkgestein. Ein Eldorado der Fingerlöcher ist z.B. der Frankenjura.
Aber nicht nur für Fingerlöcher eignen sich zusätzliche Zangen:
Risstechnik:
Ja nach Risstiefe und Breite steckt man ein, zwei oder drei Fingerglieder, die Ganze Hand oder die Faust in den Riss. Bei der Technik mit Hand oder Fingergliedern zeigt der Daumen nach unten und dann wird die Hand in Belastungsrichtung verdreht. Dadurch blockieren sich die Finger selbst, schmerzhaft für die Knöchel und man braucht eine Menge Gefühl dafür.
Bei der ganzen Hand wird sie flach im Riss platziert und dann Finger und Daumen auf der einen Seite und die Knöchen auf der anderen Seite gegen den Fels gepresst.
Bei der Fausstechnik ist die Handfläche nach oben gedreht (Daumen würde zur Seite zeigen), eine Faust wird gemacht und in den Riss gesteckt. Nun wird der Daumen gegen die Wand gedrückt bzw. die Hand so fest zusammengeballt, dass durch die Anspannung Daumen- und Kleinfingerballen automatisch abklemmen. Für den Einsteiger und Hallenkletterer hat diese Technik ebenso kaum Belange, auch für mich nicht. Aber wenn man an ein Gebiet mit Granit oder Gneis kommt, sollte man so etwas mal üben…
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