Klettern & Bouldern

Klettertraining, Tipps und Tricks rund um den Kletteralltag

Der richtige Kletterschuh

KletterschuheImmer wieder das Thema beim Klettern ist der perfekte Kletterschuh, schließlich will man ja mit optimalem Equipment an sein neues Boulderproblem, eine herausfordernde Mehrseillängen Tour oder eine superheftige 20m Sportklettertour gehen.

Was also ist der richtige Kletterschuh? –Eine wichtige Frage nicht nur für Einsteiger!

Kletterschuhe für Sportkletterer:

Kletterschuhe müssen vor allem fest anliegen, eng sein, sehr eng, zum schreien eng. :> Nein, mal im Ernst:

Für den Fortgeschrittenen Sportkletterer zählt meistens zwar eine gute Reibung (weniger wegen dem Reibungsklettern, mehr um auch kleinste Tritte mit maximal möglicher Reibung zu treten). Höchste Priorität hat aber für das Gran der Sportkletterer die Kantenstabilität des Kletterschuhs. Gerade in überhängenden Sportklettertouren wird es immer wichtiger, sich einzudrehen und auf der Außenkante des Kletterschuhs zu stehen, hier verspricht ein high end Sportkletterschuh mehr Stabilität. Das wird aber nicht durch eine harte Sohle erreicht sondern durch Fußvorspannung im 3-wege-System:

Zum einen ist der Kletterschuh „vorgespannt“, biegt also den Fuß in eine Hohlfußstellung, um mehr Druck auf die Zehen zu bringen. Verstärkt wird dieser Effekt durch viel zu enge Kletterschuhe, die die Zehen vorne richtig einkrümmen – man steht wie eine Primaballerina auf den Zehenspitzen.

Außerdem ist der Kletterschuh stark „asymmetrisch“, das heißt er biegt den Vorfuß nach innen. Asymmetrie kommt folgendermaßen zustande: Zieht man eine gerade Linie (als Spiegelachse) durch die Mitte der Klettschuhsohle, so hat man eine linke und eine rechte Seite. Je mehr die Spitze der Sohle in Richtung Großzehenseite gebogen ist, desto asymmetrischer ist der Kletterschuh an der Gedachten Spiegelachse. Der Fuß wird somit erstens in einer weiteren Ebene verspannt und zweitens verlängert sich somit die Leiste, an der die kleinen Zehen anliegen. Das ist die Leiste, die am meisten Stabilität auf kleinen Tritten bietet, allein von der Anatomie und Kraft des Fußes her.

Als letztes ist die Zehenbox noch einmal kuppelförmig geformt, Sohle ist also eher hohl und Oberstoff eher nach oben gewölbt. Dadurch stellen die Zehen sich besser auf, ohne zu sehr am Obermaterial zu scheuern und konzentrieren ihre Kraft wieder besser auf die Außenkanten/Leisten des Kletterschuhs.

Zusammenfassung:

Vorspannung, Asymmetrie, (mehr oder weniger) eingekrümmte Zehen, enge Passform, hohe Reibung bei weicher Sohle sind das wichtigste bei einem Sportkletterschuh.

Empfehlungen:

Scarpa hat sehr Leistenstabile Sportkletterschuhe, ich bin begeistert!

La Sportiva schafft es, trotz großer Vorspannung und superpräzisem Schnitt Kletterschuhe mit perfektem Sitz und optimalem Komfort zu produzieren, ich bin noch mal begeistert!

Der Jet7 von FiveTen ist sehr leicht und hat sehr gute Reibung durch die Onyx Stealth Sohle.

Mad Rock Super Loco

Cooler Sportkletter und Boulder Schuh, formstabil, eng, agressiv - der Mad Rock "Super Loco"

Testarossa

Hochwertiger high end Sportkletterschuh mit Schnürung - der "Testarossa" von La Sportiva

Kletterschuhe für Alpinisten:

Für einen Mehrseillängengeher zählt erst einmal der Komfort, wenn ich das mal so unterstellen darf. Alpine Klettereien sind meist nicht so extrem und kleintrittig wie harte Boulder oder Sportklettertouren (ich rede noch von normaler Alpinkletterei und nicht von extremsten Touren). Außerdem muss ein Alpin-Kletterschuh weich sein, er muss sich dem Fuß an- und nicht eine Schmerzposition ver-passen. Und außerdem ist eine weiche Sohle wichtig, um möglichst viel Traktion auf Reibungstritten zu erzeugen – die Kletterschuhsohle muss sich dem Felsen anpassen können, um möglichst viel Auflagefläche zu produzieren.

Zur Form: Alpine Kletterei beinhaltet viele Reibungstritte, Löcher und Verschneidungen. Der alpine Kletterschuh ist deshalb weder vorgespannt noch asymmetrisch. Er läuft symmetrisch wie eine Pfeilspitze vorne zusammen, um links wie rechts gleichen Halt in einer Verschneidung zu bieten und mit seiner lang gezogenen Spitze in viele Löcher hineingestopft zu werden. Eine Vorspannung im Fuß wäre außerdem für Reibungstritte eher ungünstig, da für solche die Ferse niedriger sein muss, als der Vorfuß, um maximale Traktion am flachen, trittlosen Felsen zu erreichen.

Zusammenfassung:

Angenehm zu Tragen (Mehrseillängentouren!), weiches Obermaterial und Sohle für beste Reibung, Symmetrie, keine/wenige Vorspannung, enge Passform, wenig Gewicht sind wichtige Komponenten eines Alpinschuhs.

Empfehlungen:

Mythos

MythosDer La Sportiva Mythos ist und bleibt ein Mythos, weich, angenehm, gute Reibung, perfekter Alpiner Schnitt.

Vision

Der Scarpa Vision ist leicht und superedel verarbeitet. Ein top Allrounder!

Silex

Boreal bietet mit dem Silex einen höchst komfortablen Schuh, der noch dazu wirklich robust ist.

Kletterschuhe für Einsteiger:

Ein gesunder Mix an allen Kletterschuheigenschaften ist hier das Beste. Leichte Asymmetrie um in der Halle gut auf kleinen Leisten und Kanten zu stehen, leichte Vorspannung um genügend Druck zu erzeugen.

Was noch dazukommt: Möglichst viel Gummi auf der Sohle und am Rand, stabile Klettverschlüsse, angenehme aber enge Passform. Durch die leichte Asymmetrie biegt der Kletterschuh den Vorfuß nicht zu stark, nimmt aber auch Belastung vom Großzehengrundgelenk, was sonst im Laufe eines Kletterlebens zu Fußdeformitäten führen kann (Hallux Valgus oder zu Deutsch: X-Beinstellung der Großzehe). Dieses Problem tritt nämlich gerne bei alpinen Kletterschuhen auf, da diese den Fuß vorne wie Damenpumps symmetrisch zusammenquetschen und auch noch so weich sind, dass sich kleine Harte Tritte nur mit großer Belastung der Zehengrundgelenke realisieren lassen. -> autsch!

Eine harte Sohle mit nicht allzu Reibungs-optimiertem Gummi unterstützt zusätzlich den Fuß auf den harten Hallentritten.

Zusammenfassung:

Robustheit, enge aber gemütliche Passform, eher härtere Sohle, leichte Asymmetrie und Vorspannung sind wichtige Einstiegskriterien.

Empfehlungen:

Spirit Verlcro

Red Chili baut in ihre Kletterschuhe Kunststoffsohlen mit ein, die gerade bei Einsteigern prefekte Untersützung auf großen Hallentritten bietet.

Tyranno

Der Roc Terra Tyranno ist superrobust und bietet dabei schon etwas mehr Vorspannung und Asymmetrie! Als Einstiegsschuh ohne Schnickschnack wirklich gut geeignet.

Kletterschuhe für Boulderer:

Bouldern ist eine extreme Variante vom Sportklettern, zwar weniger hoch (meistens) aber dafür sehr viel Überhängend bzw. Dachkletterei. Hier braucht man die gleiche Konstruktion wie beim Sportklettern, besser noch extremer vorgespannt, um kleine Kanten und Löcher im Dach gut mit der „Hakennase“ des Kletterschuhs zu halten. Eine große Robustheit (viel Gummi drumrum) und vielleicht noch ein Gummikäppchen auf Ferse und Zehenbox zum Hooken komplettieren den idealen Boulderschuh. Achja, Klettverschlüsse wären gut, sind doch Boulderschuhe meist die aller-unbequemsten.

Vorschläge:

Booster

Ein geiler Schuh ist der Booster von Scarpa, sehr fest, extrem vorgespannt und dank Gummikäppchen und -klettverschluss bestens fürs Toehooken.

Matador

Ebenso high end ist der Matador von Red Chili, verschiedene Gummizonen, komplett ummantelt mit Gummi und superenge Passform.

Hier sehen wir noch einmal den Vergleich (v.l.n.r.) Alpinschuh, Allrounder und extremer SportkletterschuhSchuhe Vergleich 1

Die roten Linien zeigen die Symmetrie der Schuhe, der Alpinschuh links ist nahezu symmetrisch, der Allrounder in der Mitte ist ziemlich neutral und der Sportkletterschuh rechts ist stark nach innen gebogen.

Hier noch einmal von der Seitenansicht:

Alpin VS Allround Kletterschuh

links Alpin, rechts Allround

Sportkletterschuh

Sportkletterschuh von Scarpa 1 Jahr alt und immernoch gut.

Das Material:

Kletterschuhe bestehen aus einer Gummisohle, einer seitlichen Gummiverspannung und dem eigentlichen Schuh. Der Kern des Schuhs ist meistens mit Leder gefertigt, oft aber auch aus Kunstmaterialien. Der Vorteil von Kunst ist, dass die Kletterschuhe manchmal gepolstert, etwas geschmeidiger und formstabiler sind, als Lederschuhe. Ich persönlich bin aber Lederfan, da dieses sich dem Fuß viel besser anpasst und man die Sohlenlänge (also die Kletterschuhgröße) kürzer wählen kann. Einen Riesenvorteil hat Leder noch: Es stinkt weniger!! Man muss Kletterschuhe aus Kunstobermaterial immer offen lagern und öfter warm auswaschen (keine Reinigungsmittel wegen des Gummis), weil sich Bakterien bestens mit dem Kunstmaterial verstehen.

Die Gummiummantelung verhindert ein zu starkes Ausbeulen des Kletterschuhs. Sprich je mehr Gummi den Kletterschuh umgibt, desto formstabiler bleibt er. Hier werden auch verschiedene Zugsysteme aufgebaut, die den Kletterschuh in seiner ursprünglichen vorgespannten Form halten sollen (bei den high end Sportkletterschuhen).

Die Sohle ist bei Sportkletterschuhen meist durchgehend gestaltet. Hier haben wir meist vorne wie hinten und in der Mitte dasselbe Material, also gleiche Reibungswerte. Andere Schuhe haben den besten “Rubber” nur unter dem Vorfuß und einen härteren Gummi im Mittelteil und Fersenbereich, so bleibt der Schuh etwas stabiler.

Der Verschluss:

Ob Slipper, Velcro- oder Normalklettverschluss, neuartige Systeme, wie zum Beispiel beim Millet Boa 1st Kletterschuhe oder einfach nur zum Schnüren, das ist primär jedem selbst überlassen. Andere Systeme und die Schnürung bieten meist den besten Halt am Fuß (gerade beim Fersen- oder Heelhook), Klett und Slipper sind dafür schnell wieder runter vom Fuß, wenn der Schuh besonders eng ist (gerade beim Bouldern ein toller Vorteil).

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