Klettern & Bouldern

Klettertraining, Tipps und Tricks rund um den Kletteralltag

Ein eigener Boulderkeller?! Teil1

fertiger Keller

Mein Boulderkeller, etwa 35m²

Der Entschluss steht fest:

Eine Boulderwand muss her. Nie mehr zu wenig Kraft, spezielle Züge einfach mal zwischendurch üben, Klettertechniken einschleifen, genaues Treten…man kann so vieles an einer eigenen Boulderwand trainieren!

Ein einfaches Trainingsboard?

- Bringt hier überhaupt nichts, schon gar nicht für Kletterer, die sich im unteren bis mittleren Schwierigkeitsgrad bewegen. Ein Trainingsboard kann sogar gefährliche Folgen für Fingergelenke, Ringbänder und Kapseln haben, die Belastung bei relativ untrainierten Einsteigerhänden ist einfach zu hoch (gerade im Unaufgewärmten Zustand)!

…Aber wieder zum spannenden Bau der eigenen Boulderwand!

Die erste Frage, die sich stellt:

Wo habe ich Platz und wie viel davon ist vorhanden? Reicht es gerade mal für eine 2,5×3m kleine Boulderwand in meinem 20m² Studentenzimmer oder gehen 15m²Dach und 20m² Wandfläche? Habe ich Platz im Keller, in der Garage, im Flur, Dachboden, Gartenhäuschen…?

Eigentlich noch eine Stufe früher zu schalten wäre die Frage:

Erlaubt das mein Vermieter, Mitbewohner, Nachbar, meine Eltern?

Zeichnet viel, redet mit Freunden über eure Pläne, vielleicht gibt es gute Ideen, wie man den zur Verfügung stehenden Platz am besten ausnutzen kann. Von allzu vielen Schrägen (wie an meiner Boulderwand zu sehen) rate ich ab, das ist ein Heidenaufwand und bringt nicht das, was man sich zuvor ausmalt.

Hingegen, um die Ecke (also eine Verschneidung) zu bauen ist nicht allzu schwer, Platz sparend und man kann schön Piazen, Stützen und Spreizen üben. Genau über diese Ecke kann man dann gleich noch ein Dach hängen und alles an der Boulderwand ist perfekt: Eine lange Seite mit Schräge, eine Ecke, eine kurze Seite und ein Dach darüber – So sieht für mich die optimale Boulderwand-Lösung bei kleinem Platzangebot aus:

Zeichnung Kletterecke

den Umständen entsprechend verändert, der graue Schatten am Boden soll die Fläche des Dachs, die gelben Wände die Kletterfläche zeigen

Seien diese Fragen einmal geklärt, so gilt es, sich Gedanken zur Grundkonstruktion zu machen. Eine Variante ist hier nachzulesen. Hier wird eine sehr einfache Variante vorgeschlagen, nämlich eine variable Schrägwand mit zwei Ketten zum abhängen. Ist für eine etwa 2,5×3m Konstruktion sicherlich in Ordnung, wenn man nur einzelne Züge machen möchte. Sollte es aber eher eine Boulderecke oder sogar ein ganzer Boulderkeller sein, dann wird man damit keine langfristige Freude haben.

Ich beschreibe im Folgenden den Bau meines Boulderkellers (etwa 35m²):

Ihr benötigt ziemlich viel Hardware:

-         Schlagbohrmaschine mit 10er oder 12er Steinbohrer (Ja nach Schraubengröße 8 oder 10, später mehr)

-         Akkuschrauber mit gescheitem Bitsatz (Torque sind wichtig!)

-         (Hand)kreissäge oder Stichsäge für die OSB Platten

-         Ratschenkasten mit Nüssen

-         Holzbohrer der Größe 11 (oder auch 11,5 oder 12) für die Einschlagmuttern

-         Holzbohrer der Größe 8 (Löcher in die Balken, durch die dann später die 8er Schrauben für die Wand durchgehen. Möchte man 10er Schrauben verwenden, reicht wohl einfach der 11er Holzbohrer)

-         Großer Forstner Bohrer (etwa 2,5cm bis 3cm), der die Ausspahrung frähst, in der später die Beilagscheibe der 8er Schraube sitzt. Schraubkopf und Beilagscheibe müssen ja komplett verschwinden, wenn später die Holzplatten aufgeschraubt werden.

-         8er (10er) Holzschrauben 12cm lang, passende 10er (12er) Dübel und große Beilagscheiben

-         Spaxschrauben etwa 4,5mm oder 5mm stark und 50mm-60mm lang, um die Holzplatten auf die Unterkonstruktion zu schrauben. Hier braucht ihr je nach Größe des Boulderraums hunderte. Alle 30cm rund um eine Platte und noch 2 querverlaufende Linien. Ich habe sicherlich 300 Schrauben verwendet (grobe Schätzung, könnten auch 500 gewesen sein)

-         Spaxschrauben und Winkel, um die Rahmen miteinander zu verbinden (nur bedingt notwendig)

-         viele Einschlagmuttern (M10 verzinkt). Hier habe ich etwas mehr als 1200 Stück gebraucht

-         Wasserwaage, Stifte, Zollstock und lauter Handwerkerkram, den man zu Hause hat

-         Ein Bandschleifer war wertvoll, um die Holzkanten abzurunden und zu bearbeiten

-         Balkenholz 6×6 (rund um die Paneele und 2 querverlaufende Linien) hier muss man von der Menge her einfach grob überschlagen und am besten dann noch mal 20% draufrechnen, das Zeug geht nämlich dermaßen schnell aus, wenn man alles richtig verstreben will.

-         OSB Platten, das sind Großspanplatten, die wirklich stabil sind. Wenn ihr eine gute Unterkonstruktion baut oder nur eine senkrechte Wand habt, reicht euch eine Stärke von 1,8cm, Überhang und Dach sollte eher 2,2cm haben. Ist deutlich stabilber aber etwas teurer und schwerer

-         Staubsauger, Putzzeug und viel Geduld :)

Tipps zum Einkauf:

-         Bohrer, Maschinen beim Baumarkt, Schrauben und Dübel besser auch (falls ihr euch in der Länge und Anzahl irrt und umtauschen müsst)

-         Einschlagmuttern sind über Ebay oder Großhändler am billigsten

-         Kein Edelstahl, das ist zu teuer, nur verzinkte Schrauben etc. nehmen

-         Schrauben für die Griffe am besten gleich mit den Griffen dazu bestellen oder zum ausgesuchten Schraubenhändler fahren, hier sind die meisten Baumärkte Schrott (zumindest war das so bei mir)

-         Für die Balken und Platten einfach zu einer Schreinerei, einem Großhändler oder anderen Firmen fahren, beim Baumarkt ist es zwar erstmal nicht so viel teurer, bei einem großen Boulderkeller (ab 20m²) geht’s aber brutal ins Geld.

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