Klettern & Bouldern

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Reepschnüre – Statikseile

Letzte Woche waren dynamische Seile dran, jetzt gehen wir zu statischem Kernmantelmaterial.

Reepschnüre gibt es in Größen von 2mm bis 8mm, wobei hier die 2mm und 3mm Reepschnüre lediglich zum Material verzurren taugen. Manch Waghalsiger klammert sein Seil vielleicht sogar mit einer 4mm Schnur mit Prusik zusammen, ist aber auch nicht zu empfehlen, da diese relativ wenig Gewicht aushält und sich ziemlich festzieht. Apropos Prusik:

Die Prusik

Die Prusikschlinge ist ein wichtiger Klemmknoten für den Bergsport. Kurzprusik oder Langprusik dienen für Flaschenzüge, Abseilen, Aufstieg am Seil und und und. Man nimmt hierfür hauptsächlich 5mm oder 6mm Schnüre. Je dünner das Seil, das es abzuklemmen gilt, desto eher muss man eine 5mm Schnur für die Prusik nehmen.

Die Prusik wird um das Seil gelegt und (beim Abseilen mit Sicherungsgerät) an der Beinschlaufe des Hüftgurts befestigt.

Als Steigschlinge wird die Prusik etwa 2m (Länge des Einfachstrangs) lang gebraucht, als Kurzprusik etwa 50cm (Einfachstrang).

Formel zur Berechnung der Festigkeit

Wenn man nichtmehr weiß, wie viel die gekaufte Reepschnur hält, gibt es eine einfache Formel für euch zur Berechnung der Bruchlast. Die Bruchlast stellt hier die maximale Belastung dar und sollte nicht mit der Nutzlast verwechselt werden. Nutzlast ist die Belastung mit der das Material anhaltend belastet werden kann und hier gilt in etwa die Hälfte der Bruchlast.

Bruchlast = Durchmesser² * 0,2 (Durchmesser im Quadrat mal 0,2)

Material

Reepschnüre bestehen meist aus Polyamid bzw. Nylon. Es gibt aber auch Dyneema und Aramid bzw. Kevlar Schnüre. Dyneema ist, man kennt es ja von den Expressschlingen, fester und haltbarer als Polyamid. Kevlarschnüre sind die wohl festesten unter den Reepschnüren, die kriegt man nichtmal mit dem klassischen Hitzeschneider durch. Solche Schnüre sind stark witterungsbeständig und dienen aufgrund ihrer hohen Festigkeit z.B. als Synduhrschlinge.

Der Aufbau von Reepschnüren ist ähnlich dem eines Kletterseils als Kern-Mantelkonstruktion gehalten. Der Mantel schützt hier den tragenden Kern vor Umweldeinflüssen (UV-Strahlung, Dreck) und Abrieb.

Statikseile

Statikseile sind auch aus Kern-Mantelmaterial gefertigt und müssen hierfür wieder spezielle Normen erfüllen. Es gibt zwei Klassen von Statikseilen, A und B. Kategorie A hat die Normanforderung von 22 KN Bruchlast, B von 18 KN. Im Achterknoten geknotet müssen die Seile noch 15 bzw. 12 KN halten. Statikseile werden zum Nachholen von Material in Bigwalls, für Flaschenzüge, zum Jümarn oder als Fixseile in Höhlen, Schluchten und Arbeit usw. gebraucht. Die Dehnung von Statikseilen darf 5% nicht überschreiten, der Schmelzpunkt muss mindestens 195° betragen. Normnummer ist EN1891, UIAA 107.

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2 Kommentare

  1. Die einzige Einheit in der Formel ist Meter. Am Ende kommt raus, dass die Bruchlast die Einheit Kubikmeter hat. Hier sollte nachgebessert werden, sonst ist die Formel sinnlos.

  2. Da braucht man nicht nachbessern und kleinlich bei den Einheiten sein, denn es handelt sich um eine Faustformel zur laienhaften Berechnung der minimalen statischen Haltekraft von Rundschnüren aus Polyamid (Reepschnüre). Die tatsächlichen Werte müssen sowieso auf dem Produkt, wenn man es neu kauft, anzeigt sein. Die Formel soll im Alltag helfen, etwaige Kräfte besser einschätzen zu können.
    Grüße
    Maxi

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