Klettern & Bouldern

Klettertraining, Tipps und Tricks rund um den Kletteralltag

Sicherheit beim Klettern

DAV PartnercheckDie wichtigste Vorraussetzung für das Klettern sind richtiges Anseilen und die richtige Sicherungstechnik.

Hierzu gehören Anseilen mit Achter oder Bulin, Beherrschen des eigenen Sicherungsgeräts, richtiges Anlegen des Gurtes, richtiges Clippen und Einlegen der Expressen etc.

Vor allem in den Kletterhallen wird durch die Kampagne “Partnercheck” des DAV ein großer Beitrag dazugegeben, das Klettern noch sicherer zu machen als es schon ist. Schwere Unfälle passieren meistens durch Unaufmerksamkeit bei den Vorbereitungen oder auch beim Klettern/Sichern. “Nur” 4-10 Unfälle pro Jahr ereignen sich in den Kletterhallen und dann leider mit schwerwiegenden Folgen wie in einer Kletterhalle in München, so ist auf muenchen-tv.de die Rede. Soweit ich mich erinnern kann, seilte sich das Mädchen an einer völlig falschen Stelle des Knotens mit einem Karabiner an, leider ein tödlicher Fehler, der vermieden werden hätte können.

Andreas und Christian Bindhammer

Bindhammerbrüder beim "Partnercheck"

Gerade Profis wie Stefan Winter (DAV Sportentwicklung und Sicherheitsforschung), Andreas und Christian Bindhammer setzen sich für die Kampagne “Partnercheck” ein.

Was aber auch in den Videos immer wieder angesprochen wird: Man muss achtsam miteinander umgehen, keine Ablenkungen wie Flirts, MP3 oder laute Unterhaltungen.

Ich habe sogar schon manche gesehen, die nach ausgelöstem GriGri die Hände vom Seil nahmen und sich mit einem Freund am Boden gestikulierend unterhalten haben, während der Partner weitergeklettert ist…Hier sollte man sich nicht scheuen, ein paar ehrlich gemeinte, freundliche Hinweise zu geben!

Ebenfalls beinhaltet die Kampagne Poster, die in den Kletterhallen aufgehängt werden.

Bie dem Poster gilt es, folgende Punkte zu beachten:

  1. Zwischensicherungen nicht überstreckt einhängen. Kostet nämlich enorm viel Kraft und birgt gerade auf der Höhe der 1. bis 3. Zwischensicherung ein enormes Risiko, einen “Grounder” zu machen. Dazu an anderer Stelle mehr.
  2. Sturzraum freihalten. Ist eigentlich selbstverständlich, dass man Herumstehen unter einem Kletterer, der einem womöglich auf den Kopf fallen kann, vermeidet. Dazu gehört auch, dass man nicht unter den Seilen durchläuft, beim Routenwechsel in der Halle. Haltet ganz einfach immer einen respektvollen Sicherheitsabstand zur “Sicherungszone” des Sicherers an der Route ein.
  3. Kein Toprope an einzelnem Karabiner. Hier ist gemeint, nur einen Karabiner zu benutzen und alle darunterliegenden Zwischensicherungen auszuhängen. Das ist nämlich aus mehreren Gründen schlecht: Erstens bietet eine einzelne Umlenkung auch nur einen einzelnen Reibungspunkt, die Haltearbeit für den Sichernden ist somit viel größer und der Sturz auch viel dynamischer. Zweitens ist solch ein Sturz in der Halle womöglich ziemlich unkontrolliert und kann zum Pendeln und Abräumen von anderen Kletterern führen! Drittens muss immer “Redundanz” (lat. redundare: Überfluss an etwas haben) in der Sicherungskette vorhanden sein, sprich wenn ein Sicherungsglied ausfällt, muss mindestens ein weiteres einen schlimmen Sturz verhindern. Das wäre in dem Falle mindestens eine zweite Zwischensicherung direkt unter dem Umlenker. Desweiteren muss für das sog. “Ausbouldern” von Routen unbedingt eine zweite Expresse, ein zweiter Karabiner gegenläufig zur/zum ersten eingehängt werden, um eine mögliche Schnapper offen/quer Belastung des Karabiners nochmals zu hintersichern und auch mehr Reibung an der Umlenkung zu erzeugen.
  4. Pendelgefahr beachten. Wann ist denn überhaupt Pendelgefahr? Stellt euch ein wirkliches Pendel vor, man zieht das Gewicht seitlich heraus, wobei der Drehpunkt immernoch oben in der Mitte ist. Lässt man jetzt los, schwingt das Pendel zurück und anschließend hin und her. Dasselbe passiert auch beim Topropen, wenn ihr zu weit nach rechts/links von der Route klettert und ihr dadurch sehr weit vom gedachten Lot des Umlenkers entfernt seit. Stürzt ihr dann in das Seil, schwingt ihr entlang der Wand in andere Routen und räumt andere Kletterer ab. Klettert man im Überhang toprope, so pendelt man im Falle des Falles aus der Wand heraus und räumt den eigenen Sicherer oder andere Leute ab, eigendlich noch gefährlicher und deshalb könnte man gleich das Topropen an Überhängen verbieten. Allerdings gibt es ja die Möglichkeit, am Nachtstiegsseil zu klettern, wobei mehrere Zwischensicherungen das Seil an der Wand halten und ein Pendeln ganz gut eindämmen.
  5. Nie Seil auf Seil. Das gilt für alles Band- und Seilmaterial, was es beim Klettern gibt und wo ein Band/Seil schnell bewegt wird. Natürlich ist an der Anseilschlaufe das richtig Seil angeknotet, das ist aber nicht damit gemeint. Es geht darum, keine Schlingen oder Schnüre als Umlenker oder Zwischensicherungen zu benutzen. Das Band/Seil erleidet irreparable thermische Schäden und kann sogar völlig durchschmelzen. Falls einmal soetwas ausfersehen passiert sein sollte, muss man das Material entsorgen, wer weiß, wieviel es noch hält.
  6. Vorsicht beim Ablassen. Zu schnelles Ablassen ist nicht lustig und bringt auch nichts. Im Gegenteil kann hier auch wieder das Seil (bei einer wirklich langen Route) stark thermisch angegriffen werden. Außerdem ist es für den Abgelassenen nicht leicht, die richtige Position beim Ablassen beizubehalten, wenn das Ablassen zu schnell geht. Auf andere Kletterer und Sicherer muss natürlich ebenfalls Acht gegeben werden, damit hier niemand umgenietet wird.
  7. Partnercheck vor dem Start. Das wurde zur Genüge besprochen und verlinkt.
  8. Im Vorstieg direkt einbinden. Eigentlich gehört es sich immer, sich direkt einzubinden. Ein zusätzlicher Karabiner ist ein weiteres Kettenglied, das brechen kann und birgt außerdem wie in München so seine heimtückischen Gefahren. Also Seil IMMER durch Anseilschlaufe oder durch Hüft UND Beinschlaufe anbinden.
  9. Kinder nicht überfordern. Man sieht immer mal wieder Leute im Klettergarten, die ihrem Jüngsten nen 3er mal schnell einhängen, dabei sichert der kleine. Hier ist das Kind hoffnungslos überfordert, erstens von der Kraft, zweitens vom Können und drittens vom Gewichtsunterschied. Klar fällt man ja bestimmt nicht, aber man male sich einmal aus, was passiert, wenn doch: die Sicherung ist defakto nicht da, weil der kleine es einfach nicht halten kann. Man stürzt also trotzdem und verletzt noch dazu sein Kind möglicherweise schwer, weil er bis zur ersten Zwischensicherung gezogen und an die Wand geschleudert wird und danach ebenfalls runterfällt.
  10. Sicherungsgerät richtig bedienen. Dazu an anderer Stelle mehr.
  11. Volle Aufmerksamkeit beim Sichern. Ist ja wohl selbstverständlich!
  12. Alle Zwischensicherungen einhängen. Gerade die ersten 3-4 Zwischensicherungen bergen das Risiko, einen Grounder zu machen, gerade, wenn zu überstreckt eingehängt wird. Und auch die anderen Zwischensicherungen sind ja dazu da, einen Sturz so früh und damit auch so ungefährlich wie möglich abzufangen. Warum sollte man also eine Zwischensicherung überspringen? -Es gibt einfach keinen Grund.
  13. Lass dich ausbilden, sprich Fehler an. Ein weiterer Appell an die vielen Neulinge im Klettersport. Macht eine gescheite Ausbildung und prägt euch Erlerntes ein. Lest meine Seite (:>) und wiederholt regelmäßig. Überlasst nichts dem Zufall und seit immer aufmerksam und bereit.

Von mir gibt es jetzt auch noch ein paar Tipps:

  1. Ruhe in der Kletterhalle. Klettern ist kein Sport für den Mund, sondern für den Rest des Körpers. Wenn es in der Kletterhalle zugeht wie im Bierzelt, können Kletterkommandos nicht verstanden oder missverstanden werden, worunter die Sicherheit maßgeblich leidet.
  2. Genauso verhält es sich mit Rennen und Spielen in der Halle. Aufpassen beim Durchqueren der Halle und Rücksicht auf andere haben eine hohe Priorität!
  3. Überschätzt euch nicht, also richtig Klettern, richtig Sichern, richtig Clippen, keine Waghalsigen Aktionen.
  4. Erlernt die Kommandos: ZU, AB, SEIL (STAND, SEILEIN, SEILAUS, NACHKOMMEN, KOMME dienen nur in Mehrseillängentouren und gehören nicht in die Kletterhalle) Dazu später mehr
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