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Test Primus Multifuel EX Kocher

Ein Freund meinerseits ist ebenso gerne draußen wie ich, aber er kocht besser draußen. Hier könnt ihr seinen wirklich ausführlichen Erfahrungsbericht über den Multifuel EX Kocher von Primus lesen…


Der Primus Multifuel EX – Mehrstoffkocher

Auswahl / Kauf

Schon länger trug ich den Gedanken, einen Kocher für die Outdoorküche zu kaufen, mit mir herum. Der endgültige Auslöser war dann ein Urlaub in Kroatien. Hier fasste ich dann den Entschluss. Die nächste Frage war: Welcher Typ Kocher soll es denn sein? Schnell war ich bei einem Benzinkocher angelangt, weil der Brennstoff leicht zu bekommen ist und in ferner Zukunft eine längere Motorradreise geplant ist. Außerdem ist das Anzünden nicht ganz so einfach wie beim Gaskocher – da lacht das Kind im Manne. Da es sich um eine Anschaffung für das ganze Leben handelt (davon gehe ich zumindest aus), war auch der Entschluss, etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen, nicht schmerzlich. Die Anforderungen waren also schnell klar:

  • Benzin- oder Mehrstoffkocher
  • robust sollte der Kocher sein
  • Qualität statt billig

Schnell stand die Auswahl zwischen Optimus Nova+ (ca. 140 Eur) und Primus Omnifuel (ca 170 Eur). Ersterer ist ein reiner Benzin- und Petroleumkocher, der Primus dagegen verbennt zusätzlich noch Gas. Der Optimus lässt sich laut einigen Forenbeiträgen mit wenig Bastlerei in ein Trangia Kochset einbauen. Eine Möglichkeit, die mir sehr gut gefiel, da ein gebrauchtes Trangia-Set in Aussicht stand. Der Händler hatte dann nur den Optimus und den kleinen Bruder vom Omnifuel, den Primus Multifuel EX Kocher vor Ort. Der EX soll im Gegensatz zum Omnifuel schlechter regulierbar sein, darum fiel er vorerst aus meinen Überlegungen heraus. Also probierten wir im Laden den Optimus zum laufen zu bringen. Am Anfang der Brennstoffleitung tropfte jedoch Benzin heraus und das ganze Teil brannte. Auch ein zweiter Optimus hatte das gleiche Problem – allerdings am Ende der Brennstoffleitung. Kurz entschlossen meinte der Verkäufer, dass ich doch besser den Multifuel EX nehmen soll. Er kostete ebenfalls 140 Eur und die Entscheidung fiel mit nicht schwer. Im Nachhinein stellte sich dann auch heraus, dass ich kein altes Trangia-Set bekommen konnte und so war ich doppelt froh, den Primus genommen zu haben. Auf der Website des Händlers erschien der Optimus am nächsten Tag als nicht mehr käuflich, da zuerst Probleme mit der letzten Lieferung beseitigt werden müssten. Ich jedenfalls war glücklich einen funktionierenden Kocher mit Gas erstanden zu haben. Fehlte noch die erste Probe…

Lieferumfang

  • Kocher
  • 3 Düsen
  • Pumpe
  • Brennstofflasche (nicht immer dabei)
  • Alu-Windschutz
  • 2x Werkzeug
  • Fettpaste
  • große Tasche
  • kleine Tasche

Das erstes Mal

Das erste Mal wollte ich meinen neuen Kocher gleich mit Benzin ausprobieren. Auf diese Weise wollte ich herausfinden, ob ich überhaupt mit dem Kocher zurecht komme. Soviel voraus: Es klappte sogar recht gut!

Also schraubte ich die passende Düse auf den Kocher und zog mit Kocher, Brennstofflasche, Pumpe und Kochgeschirr los. Dazu nahm ich noch etwas Wasser und Tee mit. Es sollte ja nicht ganz ohne irgendeinen Sinn sein.

An einer geschützten Stelle baute ich den Kocher ohne Windschutz auf. Genau nach Anleitung ließ ich zwei oder drei Sekunden Benzin in den Koch fließen und zündete ihn dann zum Vorheizen an. Als die Flamme kleiner wurde, drehte ich den Regler auf und es kam mir eine grell leuchtende, gelbe Stichflamme entgegen. Tja – da war der Kocher wohl noch nicht warm genug. Also ließ ich ihn noch etwas mit verringerter Leistung vor sich hin brennen, damit er Betriebstemperatur erreichen konnte. Nach zwei, drei erneuten Versuchen brannte er stabil mit einer blauen Flamme und ich konnte meinen Tee aufkochen.

Fazit: Auch wenn es nicht auf Anhieb klappte, so war ich doch überrascht, dass ich den Kocher ziemlich problemlos zum Laufen brachte. Ein bisschen verrußt war er noch, aber der Großteil des Rußes brennt während des Betriebs wieder weg.

Betrieb mit Gas

Der Betrieb mit Gas ist denkbar einfach. Nachdem die richtige Düse montiert und das Ventil am Kocher geschlossen ist, muss nur noch die Kartusche (Schraubkartusche) angeschlossen werden und schon ist der Kocher einsatzbereit. Jetzt das Ventil langsam öffnen und den Brenner anzünden. Das funktioniert am Besten, wenn das Ventil noch nicht ganz offen ist und nur relativ wenig Gas in den Brenner strömt. Essen drauf und guten Appetit. Mit dem Ventil kann nun die Leistung geregelt und der Kocher am Schluss ausgemacht werden.

Betrieb mit Benzin (Reinbenzin)

Der Betrieb mit Benzin gestaltet sich im Gegensatz zum Betrieb mit Gas etwas umständlicher. Vorsicht ist vor allem geboten, dass man möglichst kein Benzin über die Finger bekommt (Benzin im Essen schmeckt scheußlich). Das passiert vor allem, wenn Pumpe oder Deckel von der Brennstofflasche geschraubt oder die Brennstoffleitung von der Pumpe gelöst wird. Geringe Druckunterschiede hatte ich bisher noch jedes Mal. Dies führt zum Austritt von Benzin.

Also zum Vorgehen:

  • richtige Düse in den Kocher einbauen
  • Ventil schließen
  • Pumpe in die Brennstofflasche drehen
  • Kocher an die Pumpe anschließen (Achtung: Benzin)
  • Druck in der Brennstofflasche aufbauen (Bei voller Flasche ca. 15 Hübe)
  • Windschutz aufstellen
  • Brennstofflasche mit der Beschriftung „ON“ nach oben auf den Boden legen
  • Ventil zwei bis drei Sekunden öffnen und wieder schließen (Alternativ kann man den Vorheizprozess auch mit ca 10ml Spiritus durchführen. Das brennt dann sauberer.)
  • Brennstoff im Brenner anzünden
  • Warten, bis das Benzin für den Vorheizprozess beinahe aus ist und nur noch eine kleine Flamme besteht
  • Ventil langsam aufdrehen
  1. Falls die Flamme bei offenem Ventil gelb flackert, Ventil ein wenig schließen, sodass der Kocher mit blauer Flamme noch ein wenig auf Betriebstemperatur gebracht werden kann.
  2. Falls die Flamme weiter flackert, den Windschutz nochmals überprüfen
  3. Falls die Flamme immer noch flackert, überprüfen, ob genug Druck in der Brennstofflasche vorhanden ist.
  • Kochen
  • Brennstofflasche in die Stellung „OFF“ drehen
  • Ventil ganz öffnen
  • Kocher ausbrennen lassen
  • Druck aus der Brennstofflasche komplett entweichen lassen
  • Kocher von der Pumpe drehen (Achtung: Benzin)
  • Kocher abkühlen lassen

Bleifreies Normalbenzin (NICHT Super) habe ich bisher nicht ausprobiert.

Betrieb mit Petroleum, Diesel oder Kersoin

Diese Methode habe ich bisher nicht ausprobiert. Aufbauend auf das, was ich bisher gelesen habe, ist der Unterschied, dass der Kocher bei diesen Brennstoffen mehr rußt, der Vorheizprozess länger dauert und man mehr putzen muss. In absehbarer Zeit werde ich diese Brennstoffe eher nicht ausprobieren.

Probleme

  • Undichtigkeit nahe der Düse. Dieses Problem kommt daher, dass sich die Materialien unterschiedlich ausdehnen. Die Leckage lässt sich schließen indem man die Teile wieder ein bisschen festzieht.
  • Bei meinem Kocher war nur das große Multitool dabei. Als ich die Leckage durch festziehen wieder abdichten wollte, ist mir aufgefallen, dass in der Anleitung noch ein weiteres Werkzeug abgebildet ist, dass bei mir nicht im Lieferumfang war. Der Händler hat es mir aber ohne Probleme besorgt.
  • Benzin über den Fingern beim hantieren mit der Brennstofflasche (Verschluss ab, Pumpe drauf / Brenner von Pumpe trennen / Pumpe ab, Verschluss drauf)

Tipps

  • Das Prellblech zum Transport vom Kocher entfernen, denn es geht schnell verloren.
  • Die Brennstofflasche komplett vom Luftdruck befreien, bevor Kocher und Pumpe getrennt werden.
  • Brenner mit Spiritus vorheizen. Dadurch geht das Vorheizen ohne Ruß vonstatten.
  • Wenn man aufwändig kochen will, eignet sich der Betrieb mit Gas eindeutig besser, da der Kocher sich dann feiner regulieren lässt. Wenn man trotzdem mit Benzin kocht, sollte man den Brenner möglichst am unteren Ende halten, ständig rühren und nicht zu viel Druck in die Brennstoffflasche bringen. Sonst brennt’s an!

Vorteile

  • Unter kalten Bedingungen wohl besser als Gas (Ich habe noch keinen Vergleich gemacht, da ich bei kalten Wetter sowieso Benzin nehme)
  • Sehr vielseitig und viel Power
  • Mit Gas gut regelbar (braucht jedoch unter Umständen den Windschutz)
  • Brennt mit Gas (Teurer, aber leichter zu handhaben, nicht überall erhältlich) und mit Benzin (Billiger, schwerer zu handhaben, überall erhältlich)
  • Die Versorgung mit Brennstoff stellt daher kein Problem dar.

Nachteile

  • Die Leistung (1l Wasser kocht in ca 3,5 Min) wird durch die lange Vorbereitungszeit (Vorheizen bei Benzin) geschmälert
  • Der Kocher ist relativ laut (auch im Gasbetrieb). Sobald ein Topf über dem Brenner steht, wird es ein bisschen leiser. Gespräche sind trotzdem nur mit lauter Stimme möglich.
  • Pflegeintensiver als ein reiner Gaskocher
  • Die Benzinvariante würde ich persönlich NICHT im Vorzelt verwenden (teilweise Stichflammen, wenn der Brenner noch nicht warm genug ist)
  • Verglichen mit kleinen Gaskochern ist der Primus recht schwer und sperrig
  • Der Multifuel EX ist vor allem bei wenig Leistung schlecht regulierbar (Ich habe keinen direkten Vergleich, aber komme eigentlich gut zurecht). Bei aufwendigen Menüs muss man wirklich aufpassen, dass nichts anbrennt.

Einfach Draußen – Blog von Martin, dem Verfasser dieses Artikels.

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