Klettern & Bouldern

Der Weg vom 4ten in den 7ten Grad.

Wie verhindert man die Offene Tür?

Wir hatten ja schon einmal das Thema Offene Tür und wie es dazu kommt. Nun erkläre ich euch, wie man aus dieser Misere herauskommt, also Lösungsstrategien für die Offene Tür.

Nochmal zur Erinnerung

Das ist die Offene Tür. Eine Offene Tür entsteht, wenn die Summe der Griffhaltepunkte und die Summe der Tritthaltepunkte nicht Lot gerecht übereinander stehen (rote Markierung). Man stellt sich dies vor, wie bei einer schief in den Angeln hängenden Tür, die aufschwingt. Es ist relativ unökonomisch in so einer Position länger zu hängen, denn diese belastet die Arme stark. Versucht man nun, weiterzugreifen und löst dazu eine Hand, klappt die Tür auf. Dieser Effekt tritt im Überhang noch deutlich stärker zu Tage.

1. Lösung: Der Ägypter

Ihr kennt die Wandmalerei der Ägypter? So oder so ähnlich muss man sich diese Technik vorstellen. Die Ägypter haben ihre Bilder oft in paralleller Bein-/Armhaltung gemalt, sprich wie im Passgang. An der Kletterwand gesehen, b edeutet dies, dass man entweder die rechte oder linke Körperhälfte zur Wand dreht und dabei im Gegensatz zum Eindrehen den wandfernen Fuß als Hauptbelastungspunkt hat. Hier im Bild greife ich hauptsächlich mit der linken Hand und stehe hauptsächlich mit dem linken Fuß. Das würde normalerweise sofort zur offenen Tür führen. Den rechten Fuß stelle ich aber als Gegenpol zur Offenen Tür hinter mich an die Wand bzw. auf einen Tritt. Ich sehe damit also etwa so aus, wie die Gemälde in den Pyramiden :)

Der Ägypter als Lösungsstrategie beim Konkreten Problem.

2. Lösung: Hinter-/Vorderkreuzen

Bei unserem Beispiel der Offenen Tür klappe ich nach hinten links auf. Das Verkreuzen der Beine stellt manchmal eine elegante Möglichkeit dar, nicht aufzuklappen. Je nach Situation kann hinter oder auch vor dem Standbein das andere Bein gekreuzt werden. Man drückt dann mit der Fußspitze gegen die Wand und verhindert somit das Aufdrehen. Tipp: Auch ein gezieltes Hängenlassen eines Fußes kann manchmal ein gutes Gleichgewicht produzieren und den Druck des anderen Fußes deutlich erhöhen.

3. Lösung: Trittwechsel und Eindrehen

Das Eindrehen kennzeichnet sich durch eine Körperverdrehung und eine seitliche Stellung an der Wand. Hauptbelastungspunkt der Tritte ist im gezeigten Bild mein rechter Fuß. Hauptzugpunkt  ist die linke Hand, die einen Seitgriff hält. Dadurch kommt eine Körperverwringung zustande, die mich stabilisiert und ohne viel Bemühungen aufrichten lässt. Um ein Herausdrehen zu vermeiden, stellt man den anderen Fuß (vorne oder hinten) an die Wand oder auch auf einen Tritt. Meine rechte Hand kann nun völlig entlastet zu einem weit entfernten Griff reichen.

Mit dem Eindrehen nutzt man die gesamte Körperspannweite und steht sehr stabil und wandnah. Es ist eine DER Techniken im senkrechten und überhängenden Gelände. Merke: linker Fuß und rechte Hand (bzw. rechter Fuß und linke Hand) sind die Hauptbelastungspunkte dieser Technik. Unterstützend wird der andere Fuß aufgestellt oder gegen die Wand gedrückt.

Das Eindrehen beim bekannten Problem.

Hier geht noch eine Technik dem Eindrehen voraus. Ich muss bevor ich den Seitgriff halten kann, einen Trittwechsel vollziehen. Dieser verläuft dynamisch durch Umspringen auf dem Tritt. Danach stelle ich meinen linken Fuß weit rüber an die Wand, um ein Pendeln zu vermeiden. Nun drücke ich mich aus meinem rechten Bein heraus und kann weit nach oben greifen.

Das Ganze jetzt noch einmal von der Seite. Hier sieht man noch einmal schön den nötigen Trittwechsel um mit der linken Hand in der richtigen Richtung Zug am Griff aufbauen zu können.

4. Lösung: Dynamisches Überwinden

Den Dynamo und seine Vorteile und Nachteile habe ich bereits hier beschrieben.

Der Dynamo ist relativ kraftsparend und schnell. Mann kann so längere Züge rasch überwinden. Nur muss man sich im Klaren sein, dass ein Dynamo endgültig ist, sprich man hält den Griff oder man fliegt. Man sollte also genau überlegen, ob der anvisierte Griff gut ist und sich der Dynamo lohnt.

5. Lösung: Heelhook

Wenn sich die Möglichkeit bietet, sind weitere Techniken sehr sinnvoll und kraftsparend. Eine davon ist der Heelhook, also das Einhaken mit der Ferse. Besonders wirkungsvoll ist dies an einem Pfeiler oder einer Kante. Man kann hier die Ferse platzieren und durch Ziehen das Herauskippen aus der Wand verhindern und somit völlig unbelastet weitergreifen. Auch zum Ausruhen bietet sich ein Heelhook an, man kann einfach wunderbar damit die Hände entlasten. Achtet darauf, dass ihr den Hool gezielt und langsam setzt. Wenn man in einer solchen Situation abrutscht, gibt das einen sehr rasanten Abgang. Der Schuh muss sehr gut an der Ferse sitzen und keine Luft dazwischen sein. Schnürschuhe sind meist besser aber auch Kletterschlssschuhe können eine super passende Ferse haben. Der Toehook ist natürlich genauso praktikabel, nur in dieser Situation würde man lange nicht so viel Kraft aufbauen können. Toehooks bieten sich vor allem im Dach an.

Hier noch einmal im Detail

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1 Kommentar

  1. Super Artikel, der es auf den Punkt bringt. “Körperverwringung” find ich geil ;) schönes Bild.

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